22.02.18

Digitales Dilemma:

Kindliche Entwicklung zwischen zwei Welten – oder wenn der Pinguin den Eisbären trifft und die Rolle eines motopädischen Konzepts

 

Die Studierenden der Oberstufe an der Fachschule für Motopädie haben sich im Rahmen ihrer Projektarbeit mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Lebenswelten von Kindern und den sich daraus für sie als zukünftige Motopädinnen ergebenden Arbeitsaufgaben in den unterschiedlichen motopädischen Handlungsfeldern und für unterschiedliche Altersgruppen beschäftigt.

Kindliche Entwicklung vollzieht sich immer selbsthandelnd und Kinder begreifen immer noch durch das Greifen... Die Neurowissenschaften belegen, dass das kindliche Gehirn anders funktioniert als das der Erwachsenen, nämlich vor allem in und mit Bewegung.
Das Erwerben eines sensomotorischen Fundaments, die Bedeutung von sicherer Bindung, die Fähigkeit der exekutiven Funktionen und die Entwicklung eines empathischen Sozialverhaltens sind in der Projektarbeit wichtige Aspekte, die sie zu konzeptionellen Schwerpunkten konkreter Praxisangebote machten.

Für die Altersgruppe U3 gestalteten sie ein Angebot zum Erleben der Sensomotorik (Sensomotorisches Fundament) in Form einer Reise durch eine Winterlandschaft, bei der die Jüngsten u.a. Erfahrungen in einem „Wirbelsturm“, mit „Schnee“ und mit einer „Seenlandschaft“ sammeln konnten. Hierbei können die Kleinsten die Nah- und Fernsinne, d.h. taktiles, vestibuläres und kinästhetisches System sowie das Hören, Sehen, Riechen und Schmecken erleben, weiter ausbilden und miteinander vernetzen.
Für den Bereich der Ü3-Kinder konzipierte die Arbeitsgruppe ein psychomotorisches Eltern-Kind-Angebot, bei dem zum einen die gemeinsamen Aktivitäten zwischen Eltern und Kindern unter dem Aspekt Bindung stattfanden, zum anderen mediale Erlebnisse dieses Alters am Beispiel „Die Eiskönigin“ von Disney aus dem Bildschirm in die Turnhalle geholt wurden, Schlittenfahrt und Schneeballschlacht inklusive... Ein Elternabend regte zum Nachdenken über den eigenen Medienkonsum und den der Kinder an.

Die Arbeitsgruppe, die für die Kinder im Grundschulalter zuständig war, konzentrierte sich mit ihrem psychomotorischen Angebot v.a. auf die Handlungsfähigkeit und die Umsetzung medialer Erlebnisse in ausgedachte, geplante, konstruierte Spielsituationen und Stationen.

Die vierte Arbeitsgruppe gestaltete mit einem Sportlehrer einer Realschule psychomotorische Angebote zum Thema „Exekutive Funktionen“ und „Soziales Lernen“ für dessen Schüler/innen verschiedener Jahrgänge. Hierbei wurden gemeinsame Erfahrungen mit unterschiedlichen Spielen ganz ohne digitales Drum und Dran gemacht, denn die Handys der Schüler/innen wurden vorher eingesammelt und beiseite gelegt, damit sich ihre Spielfreude mit ungeteilter Aufmerksamkeit frei und selbstwirksam entfalten konnte.
Den angehenden Motopädinnen ist bewusst, dass digitale Medien aus dem Lebensalltag heutiger Kinder nicht mehr weg zu denken sind. Deshalb liegt es ihnen fern, diese zu verteufeln. Dennoch sehen sie Handlungsbedarf, auf den gerade für die Thematik sensibilisierte Motopäden/innen mit fachlichen Angeboten reagieren können.
Wir bedanken sich bei allen, die uns bei der Planung, Begleitung und Umsetzung unserer Projektarbeit unterstützt haben.

Maren Ehring für die FMTO 2016/18